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Posts Tagged ‘Pratchett’

Ich schrieb recht ausführlich über meine Darwin-Inputs und möchte Euch nicht vorenthalten, dass es auch eine andere Art gibt, sich Wissen zu Darwin anzueignen.

Es gibt ein aktuelles, kritisches und vor allem z.T. humoristisches Werk vom Fantasieautor Terry Pratchett mit dem Titel „Darwin und die Götter der Scheibenwelt“. So ein Schrott?! Klingt trivial?! Nein, das ist es nicht! Das Buch ist aus meiner Sicht sehr anspruchsvoll und ich bin der Meinung, es ist keine leichte Lektüre für mal so „nebenbei“, was ich allerdings gleichzeitig etwas bedaure, weil es sonst (trotz des Niveaus) oft bei Pratchett der Fall ist.

Dafür hat es definitiv eine andere Art, einen anderen Blick auf das Thema und der ist gut so. Denn der Fakt, dass hier Wissenschaftler und ein sehr kreativer humorvoller Autor sich zum gemeinsamen Schreiben finden, lässt erahnen, dass das Thema nicht so trocken behandelt wird, wie z.B. in der Science. Aber ich werde wohl trotzdem das Buch irgendwann noch mal lesen müssen, um dann vielleicht sagen zu können: Ich habe fast alles verstanden. Denn wenn eben mal so nebenbei die Quantenphysik oder höhere Algebra erklärt werden, dann wird’s schon spannend. 🙂

Aber jetzt muss das Buch im Regal noch ’ne Weile ausharren…

…denn jetzt lese ich erst mal ein wirklich lustiges Werk von Pratchett: „Mort“. Einfach göttlich!

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Derzeit fällt immer wieder der Name Darwin und ich dachte bislang zu wissen, um was es in der Evolution geht und wollte mich eigentlich nicht mehr damit auseinandersetzen. Ein Zufall hat jedoch dazu geführt, dass ich über neuere Erkenntnisse gestolpert bin, die ich so elementar finde, dass ich darüber berichten muss möchte.

Zunächst vorab ein kurzer Blick auf das allgemein bekannte Wissen zur darwinschen Entwicklungstheorie:
Die genetische Entwicklungstheorie nach Darwin beinhaltet die Vorstellung, dass wir über unsere Gene das Erbgut an die nachfolgende Generation weiter geben. Dabei spielen Mutationen wesentliche Rolle. Diese (zufälligen) Veränderungen des Erbgutes führen dazu, dass gewisse Arten besser mit den bestimmten Umweltbedingungen zurecht kommen und sich dadurch diese Population stärker in dem entsprechenden Umfeld vermehrt. Dies wird als natürliche Auslese bezeichnet, also eine Selektion von gut bzw. schlecht angepassten Arten. Charles Darwin hatte dies 1837 mit Hilfe der Untersuchungen durch John Gould nach seiner Weltreise (1831-1836) entdeckt. Wegweisend waren die verschiedenen Vogelarten der verschiedenen Galapagosinseln, die sich alle als Finken herausgestellt hatten. Diese wiesen je nach Nahrungsangebot unterschiedliche physische Ausprägungen (z.B. Schnabelform) auf.

Mit der Behauptung, dass die Arten nicht alle durch einen Schöpfer geschaffen wurden, sondern sich nach und nach entwickelten, könnte Darwin von den Gläubigen als der größte Ketzer der Geschichte gesehen werden. Schwierig war das besonders für ihn selbst, da er tief gläubig war und damit in einen inneren Konflikt stürzte. Aus diesem Grunde veröffentlichte er sein Werk “Die Entstehung der Arten“ auch erst 1859 (als Kurzfassung), also über 20 Jahre später. Dies war beinahe eine Zwangshandlung, da Wallace, ein guter Bekannter, ein ähnliches Manuskript bereithielt, das seine Innovation gefährdete.
Die Veröffentlichung der innewohnenden Erkenntnisse war demnach hinsichtlich des allgemeinen Forschungsstandes einfach „dran“. Trotzdem kam es zur Aufruhr, die bis z.T. heute andauert, so dass die Lehre Darwins zuweilen verboten bzw. verpönt wurde, wie in Teilen der USA (Bericht bei ntv oder bei Spiegel).

Und heute in Deutschland? Die Forschung eilt zwar fort, aber bis dies publiziert wird, sich dann im Mainstream durchgesetzt hat und dann in die Schulbücher kommt, dürften Jahre vergehen. Das liegt sicher nicht nur daran, dass häufig in Schulen kein Geld, z.B. für Kopien da ist…

So gibt es inzwischen wesentliche Ergänzungen zu dem alten Bild von Darwin. Und interessanterweise fällt der Name Lamarck. Seine noch ältere Theorie, dass sich der Mensch durch die Anpassung an seine Umwelt entwickelt, galt lange als überholt und ist nun trotzdem wieder in aller Munde.

Und jetzt wird es mit Hilfe der „aktuellen“ Forschung konkreter: Die Epigenetik (nachträgliche Entstehung) sagt aus, dass zwischen den Genen eine weitere Kommunikation statt findet (so habe ich es jedenfalls verstanden). Erfahren habe ich dies in dem Bericht „Gefährliche Mahlzeiten“ auf 3sat (==> ganze Folge). Durch ihn lernte ich, dass Teile der genetischen Information an- und ausgeschaltet werden können. Dieser Mechanismus kann durch externe Einflüsse angeregt werden. Das bedeutet, dass eine Änderung der Umweltfaktoren, z.B. durch Stress oder durch eine Änderung der Nahrungszusammensetzung, zu einer Änderung der Gene führt!!! Und entscheidend ist, dass diese Informationen vererbbar sind. Das heißt also, dass wir selbst einen (marginalen) Einfluss auf die Entwicklung hätten.

Nachgewiesen konnte diese äußere Wirkung auf die Gene im Tierreich, z.B. bei einer bestimmten Fliegenart. Diese wurden einer erhöhten Temperatur (externer Einfluss) ausgesetzt, wobei die Forscher wussten, dass sich dann ein Merkmal der Fliege ändert: Ihre Augen färbten sich rot. Der Nachweis, dass diese Änderung vererbbar ist, konnte im Anschluss dadurch gezeigt werden, indem die nachkommende Generation ebenfalls rote Augen hatte, obwohl die veränderten Umweltbedingen wieder relativiert wurden, die Temperatur also wieder „normal“ war.

Ähnliche Zusammenhänge wurden mit Personen gebracht, die erhöhten Nahrungsmangel (Hungerwinter 1939 in Amsterdam) ausgesetzt waren und bei denen die nachfolgende Generationen ein erhöhtes Krankheitsbild aufwiesen. Ob diese Ergebnisse allerdings wirklich grundlegende Beweiskraft besitzen, ist aus meiner Sicht noch anzuzweifeln.

Wenn das nun aber so stimmt, dass äußere Einflüsse eine nachhaltige Wirkung auf das Erbgut und damit auf Kinder und Kindeskinder besitzen, dann bekommt die Ernährungs- und Lebensweise eine völlig neue Gewichtung. Es wird z.B. vermutet (!), dass der Genuss bestimmter Lebensmittel, wie Grantapfal, Grüntee und grüne Kohlsorten dazu führt, dass die „Funktion“ „Krebszellen zu bilden“ ausgeschalten wird und damit diese Lebensmittel krebsvorbeugend wirken.

Die Forschung geht dabei noch weiter. Sollte das wirklich so sein, dass z.B. Nahrungsmittel solch eine Wirkung besitzen, so kann das auch auf die aktuelle Krankheitsbekämpfung wirken. So hat sich ein Arzt, der selbst an Krebs erkrankte, erfolgreich mit Grüntee geheilt. (Hier ist der Bericht). Sicher, die Zweifel sind da. Kann das sein? Es bleibt also offen, weil einfach noch zu wenig geforscht wurde. Erklären würde diese erweiterte Theorie von Lamarck aber definitiv, warum in historisch kurzer Zeit eine Anpassung der Darwinfinken auf den Gallapagosinseln möglich war.

Neben dem Einfluss von Nahrungsmittel und Stress gab es einen neuen Impuls, veröffentlicht in der „Technology Review“, über den ich in Heise erfuhr. Dort wurden diverse Erkenntnisse an jungen Mäusen und Ratten gewonnen. Jedoch wurde auch betont, dass die einst gewonnen besonderen Ausprägungen nach einigen Wochen wieder verschwunden waren. Hier wären also die Forscher gefragt, warum dem so ist.

Vielleicht ist es ja auch so: Ein Körper stellt sich zunächst auf die Veränderungen der Umwelt ein, erzeugt entsprechende Nachkommen, wobei dann nach der Geburt im Inneren „just in time“ abgeglichen wird, ob diese Veränderung weiter angewendet werden sollte…?!

Zur Zeit gibt es viel Artikel rund um Darwin, z.B. in der Nature mit einem Darwinspecial, der Science oder in der Spektrum der Wissenschaft mit einer unveränderten Neuauflage (ursprünglich 1999) von Darwins Biographie oder für Menschen mit viel Muße eines seiner Darwin-Bücher.

Für den ersten Einblick zur Epigentic empfehle ich jedoch in jedem Fall den interessanten Beitrag „Gefährliche Mahlzeiten“ der 3sat-Mediathek und alle weiteren Beiträge zum Darwinspezial, besonders seine Reise mit der Beagle.

Viel Spaß und gute Erkenntnisse! 🙂

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