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Am 4.12.2017 gab es in Jena eine weitere Aktion von „hier spielt die Musik“, bei der auf die katastrophalen Bedingungen in den Kitas rund um Jena, Weimar und Erfurt aufmerksam gemacht werden soll..

Erhebung zur Betreuungssituation in Kitas

Die Gruppe der Kampagne „Qualität hat Vorfahrt“ hat dazu eine Erhebung von 1.11.-24.11.2017 unter Kindergärtnern/innen durchgeführt. Das Ergebnis wurde am Runden Tisch der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Nachfolgend ein Auszug aus der Stellungnahme:

„An der Erfassung teilgenommen haben Kitas in Jena, Weimar, Weimarer Land und Erfurt. 

Von insgesamt 76 möglichen Kitas haben sich 59 Kitas an dieser Abfrage beteiligt. Dies entspricht 77,63 %.
Diese 76 möglichen Kitas haben eine Gesamtkapazität von 6.420 Betreuungsplätzen. Davon bildet diese Abfrage 5.344 Betreuungsplätze ab. Dies entspricht 83,24%. Der Auswertungszeitraum lag vom 01.11.2017 bis 24.11.2017, jeweils täglich um ca. 10:00 Uhr.
Erfasst und ausgewertet wurden insgesamt 1.046 Betreuungs- bzw. Erfassungstagen (jeder erfasste Tag pro Kita = 1 Betreuungs- bzw. Erfassungstag).

An diesen 1.046 Betreuungs- und Erfassungstagen lag die durchschnittliche Ausfallzeit (ohne Vor- und Nachbereitungszeit) bei 28,13%. Die Ausfallzeit lag in der Spitze an einem Tag in einer Kita bei 73,18%.

 – an 61 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit bis 10%

– an 132 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 10% -15%

– an 113 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 15% – 20%

– an 300 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 20% – 30%

– an 99 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 35% – 40%

– an 103 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 40% – 50%

– an 61 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit zwischen 50% – 60%

– an 35 Erfassungstagen lag die Ausfallzeit über 60%

Wir haben unterstellt, dass bei einem Personalausfall von über 30% die Öffnungszeiten der Kitas entsprechend reduziert werden müssen und ab einem Personalausfall von über 50% die Kitas schließen müssen. 

Bei einem Personalausfall von 30% bis 50% hätten damit an 344 Erfassungstagen die Öffnungszeit in den Kitas reduziert werden müssen.

Bei einem Personalausfall von über 50% hätten die Kitas an 96 Erfassungstagen sogar geschlossen werden müssen.“

Statement zur Erhebung 

Eine befreundete ehemalige Kindergärtnerin, von der ich diese Erhebungsdaten bekam, schrieb mir dazu:  

„Gruselig, es als Zahlen zu sehen, wie hoch die Ausfallszeiten sind – wie wenig sie in den Schlüsseln berücksichtigst sind. Und – und das weiß ich noch aus eigener Erfahrung – wie die Leute teilweise am Limit fahren (müssen) und wie wenig Beziehung und Bildung beim Kind ankommen kann.“

Und auch mir haben  Kindergärtnerinnen beim Elternabend  gesagt, dass sie morgens einfach versuchen zu funktionieren – auch wenn Not ist – und sich ihren Stress nicht gleich anmerken zu lassen.

Mein Wunsch: Bessere Betreuung von kleinen Kindern

Ich wünsche mir, dass das besser in den Kitas wird: Ich wünsche mir deutlich mehr Erzieher, weniger Kinder in den Kitas, indem einfach auch mehr Eltern länger zu Hause bleiben und eine Verlängerung des Elterngeldes als finanzielle Grundlage auf mindestens 2 Jahre, besser aber 3 Jahre.

Wissenschaftler: Auswirkungen der Kitabetreuung bei kleinen Kindern
Schaut euch zum Thema Kindergärten am besten auch den wissenschaftlichen Vortrag (PDF Download) von Dr. Böhm zu den Auswirkungen der Kitabetreuung für kleine Kinder an, den ich in einem meiner letzten Beiträge veröffentlicht  hatte.

Hier noch ein kurzes Video von Dr. Böhm.

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Was wäre, wenn wir uns selbst Fragen zur Kindererziehung stellen würden…? Wenn wir Dinge nicht mehr einfach so machen würden, nur weil es schon immer und vielleicht auch bei uns so gemacht wurde, sondern wenn wir darüber nachdenken würden…?

Was wäre, wenn wir beginnen würden, uns aufzuklären?

Fragen könnten sein:

Was wäre, wenn es stimmt, dass eigentlich die Mutter in den ersten drei Jahren für Ihr Kind da sein sollte, damit das Kind in sich gestärkt, optimal ausbalanciert und entspannter ist? Was wäre, wenn es durch diesen entspannten Zustand besser lernen kann, seine Talente besser entfalten kann? Was wäre, wenn es damit auch als Erwachsener sozialer, emphatischer, in sich gelassener, entspannter und zufriedener ist?

Was wäre, wenn wir jahrelang etwas tun und unterstützen, was unseren Liebsten eigentlich Schaden zu fügt… indem wir sie als kleine Kinder viel zu früh weggeben?
Was wäre, wenn es stimmt, dass kleine Kinder im Normalfall unter 3 Jahren nicht in Kindergärten oder Gruppen betreut werden sollten?

Was wäre, wenn die Politik eine Entwicklung unterstützt, die uns unter Druck bringt, schnell wieder arbeiten gehen zu müssen, obwohl wir fühlen, dass es eigentlich noch nicht dran ist? Was ist, wenn wir richtig in dem sind? Wenn unsere Instinkte – für unser Kind da sein wollen – für unser Kind absolut richtig sind? Wenn dies auch für unsere eigene Zufriedenheit das Beste wäre und für unser Kind?

Was wäre, wenn wir uns als Eltern vertrauen würden? Wenn wir unserer inneren Stimme vertrauen würden? Auch wenn wir es selbst vielleicht nicht so erfahren haben?

Was wäre dann?

Ich konnte vor wenigen Tagen einen Vortrag zum Thema frühkindliche Betreuung und seine Folgen des Arztes Dr. Böhm im Rahmen einer Tagung anhören.

Böhm gibt einen Einblick über verschiedene Forschungsergebnisse, an denen wir nicht vorbei kommen.

Wir können sicherlich so tun, als ob die Ergebnisse nicht stimmen, als ob uns das nicht tangiert, nicht für unsere kleine und großen Kinder gilt und auch für uns nie gegolten hat… Wir können uns das schön reden… Oder wir fangen an zu sehen… zu begreifen.. zu verstehen…

Aufklärung – Verstehen – passiert vom Kopf über das Herz und das Gefühl…

Der komplette Folienssatz des Vortrages von Dr. Böhm steht zum Download bereit:

Frühkindliche Betreuung-Kita-Bindung und Stressregulation (PDF, 3,9MB)

Dr. Rainer Böhm ist Kinder- und Jugendarzt mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie und leitender Arzt des Sozialpädiatrischen Zentrums Bielefeld-Bethel. Er hat mir seinen Vortrag freundlicherweise zur Veröffentlichung hier im Blog zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Informationen:

https://www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de

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Am Montag (21.8.) sollte ganz Jena auf dem Platz vor der Stadtkirche sein, bzw. Weimar auf dem Goetheplatz, denn demonstriert wird für bessere Bedingungen in den Kindergärten. 

Der Betreuungs-Schlüssel in Thüringen bei 3-Jährigen ist beispielsweise 1:15. 

Wenn da eine Kind ein extra Bedürfnis hat… Pech… denn da ist quasi gar keine Zeit für, richtig darauf einzugehen… Zwei Kinder weinen… eins hat noch eine Frage… wo beginnen… ? Es kann nicht funktionieren. 

Gerade hatten wir Elternabend, und eine Erzieherin sagte zum ersten Mal offen, dass sie so an der Grenze sind und trotzdem immer das Beste geben wollen. Das würden sie uns natürlich auch nicht jeden Morgen sagen, wenn wir das Kind bringen… Sie meinte, schon allein beim Schuhe zu binden ist es kaum den Kindern zu erklären, dass sie als Erzieherin erstmal noch 14 anderen Kindern die Schuhe zu machen muss, bis auch das letzte Kind dann dran ist. Der Job ist „nur“ noch zu funktionieren, statt gut zu betreuen oder in Beziehung zu gehen.

Sie bat uns eindringlich um Unterstützung und Hilfe, die ich hiermit weitergebe. Ich glaube, wir sehen als Eltern gar nicht, was eigentlich los ist, sondern ahnen das nur…

Die Erzieher geben echt alles und kommen doch an ihre Grenzen. Auch die Werte, die sie selbst vertreten, sind für sie zumeist kaum im Job lebbar, weil sie schlichtweg einfach keine Zeit dafür finden.

Nun ist es Zeit, etwas zu ändern. Zunächst gibt es die Petition „hier spielt die Musik“ im Netz unter www.kita-gesetz.de.

Petitionen habe ich nicht nur diese unterschrieben, aber am Montag bin ich auch bei der parallell geplanten Demo dabei. Ich möchte für mein Kind, aber auch für die Kinder in unserer Gesellschaft, andere Bedingungen. 

Jede Mutter und jeder Vater und alle, denen die nachkommende Generation etwas am Herzen liegt, sollten da sein und gegen diese Zustände rebellieren.

Gerade auch, weil die Kinder schon viel zu früh in die Betreuung müssen, weil das unsere Gesellschaft so erwartet bzw. weil es meist nur schwer anders leistbar ist.

Bitte seid einfach dabei. Zieht euch bunt an und zeigt Gesicht, dass ihr diese Zustände nicht länger duldet!! Macht es für die Kinder, die jeden Tag da sein müssen, die die Zustände erdulden müssen, die keine Chance haben „nein“ zu sagen und für die Erzieher, die ein Recht auf eine erfüllte Arbeit haben, ohne sich in den Burnout zu arbeiten.

Wir sehen uns am Montag!


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