Hilfe!!! Ich bin Tante geworden. Oh meine Güte! Das kann ich gar nicht aussprechen. Gibt es dieses Wort überhaupt noch in unserem schönen „DUDEN“??? Gut auf Englisch kann ich das Wort gar nicht artikulieren. Klingt immer so wie Ente, zumindest assoziere ich Ente bei „aunt“:
„aunt, aunt, aunt“, das ist fast wie „put put put“. Nur dass das Geräusch „aunt, aunt, aunt“, von dem vorbeischwimmenden Federvieh stammt und eher weniger von dem des Menschens wohlgeformten Munde. Also: ich bin ein Federvieh. Ob ich mich damit schmücken kann????
…Ach herrje! Glückwunschkarte schreiben! Shit. Das macht man ja auch noch. :-/ Na, da habe ich ja Lust drauf. Nein ehrlich. Ich habe meinen Bruder schon telefonisch gesprochen, er rief mich nach der erfolgreichen Pressung an und da habe ich ihm gleich mein Beileid kundgetan. Wie sich das gehört. Und jetzt noch mal ne Karte? Das kollektive Gedächtnis spricht zu mir: „DU musst noch eine Karte schreiben! Vergiss das nicht“. Und Mutti sehe ich schon dahinter mit dem Zeigefinger fuchteln. ÄHHH. Na, da bekomme ich doch gleich doppelt so viel Lust. Aber mal im Ernst. Ist das nun gerechtfertigt: ja oder nein? Ich fühle mich doch etwas deppert und sehe mich sinnbildlich in die Couch fallen, um nur noch mit den Schultern zu zucken: Was soviel heißt, wie: ich weiß es net. Sicher, die Regel gibt es nicht dafür. Aber auch nicht dagegen. Und was sagen mir die Enten dazu? „Aunt, aunt, aunt,…“ Hm. Weise, weise. Jetzt brauche ich noch einen Ornithologen, der mir das übersetzt…
AAARRGH! Da werd ich gleich mal wieder aggressiv. KNIGGE, der soll sich ins Knie kniggen. Wir Deutschen…, Neee, neee. Da lob ich mir die relaxten Südländer. Die machen sich um so was keine Gedanken. Easy. Mein Frankreichurlaub hat mir das auch mal wieder gezeigt. Da kipp ich einen Rotwein (gut, er war nicht sooo lecker) quer über den Tisch, da signalisieren mir die französischen „Nachbarn“ nur: kein Problem, trocknet wieder. Ok, wir saßen draußen am Holztisch. Aber ich, als gut erzogene Deutsche, habe erstmal angefangen zu wischen und zu tun und zu machen. Und der Tisch? Dem hat’s gut getan. Keine bleibenden Schäden, sozusagen.
Und dann, am ersten Tag, zurück an der deutschen Fleischtheke muss ich mir bei einer renomierten Einkaufs-Kette hier in Jena doch anhören, wie ich es mir wagen könnte, noch Wünsche zu äußern, als ich ein Grillsteak geschnitten bekommen wollte und in der Auslage keines zu sehen war. O-wei,o-wei.
Wir Deutschen. Ob das mal gut geht. So ein bisschen entspannt, wäre ja mal ganz günstig. Aber wovon rede ich denn. Ich selbst könnte heute Anführer aller Mekkertanten werden. Und dann führe ich die Meckertanten nach „Mecka“ ins gelobte Land. Dort, wo uns die Erleuchtung wiederfährt. Hoffentlich, muss ich noch sagen. Mich kotzt mein eigenes Genörgel nämlich an. Gut, dass ich mich selbst nicht erleben muss.
Mein Mann holt mich zum Glück in solchen Momenten wieder runter und hält mir einen Spiegel hin. Den will ich bloß nicht so gern sehen – Vorteil dabei: Das reicht dann auch schon mal für einen Beziehungsstreit. Das ist ganz praktisch. Damit bleibe ich nämlich meinen deutschen Wurzeln treu. Guuut, ich gebe zu, Es schlaucht. Getrennt schlafen hasse ich ja. Also da muss es schon wieder im Groben geklärt sein. Aber, es ist sonst einfach zu harmonisch. Ein bisschen Meckern und Sorgen braucht man doch, um dem Deutschen Klischee gerecht zu werden, nicht wahr?!
Ich habe mir nun extra Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ gekauft…. Nein, ich habe gelogen. Ich war’s nicht. Mein Mann hat es mir zum Geburtstag geschenkt. Ich muss eben noch daran üben, wie ich’s mit dem Unglücklichsein auf die Palme bringe. Ein paar Kapitel habe ich auch schon gelesen. Aber da sind ja so viele Tipps drin, die kann ich ja gar nicht alle auf einmal umsetzen. Also: sehr ergiebig! Ich lerne jetzt erstmal, mir richtig schlechte Gedanken zu machen. Und wenn das mit den selbsterfüllenden Prophezeiungen klappt, na dann geht doch der Rest fast von allein. Also: kann ich nur empfehlen! Um unserse deutsche Identität zu bewahren, da kann man doch ein bisschen nachhelfen, gell?!
Also, was wollte ich eigentlich??? Ach ja. Eine Karte kaufen. Dann geh ich mal los, für 99 Cent werd ich sicher eine finden…